Dienstag, 7. April 2015

Ostern, Geburtstag und co.

Da jetzt Ostern ja auch schon wieder vorbei ist, wird es Zeit für einen neuen Blogeintrag. Ostern ist hier nicht so bekannt wie zum Beispiel Weihnachten, da man damit ja auch nicht so viel Marketing betreiben kann (ausser Schoggieili und Osterbäumli). An Ostersonntag kam aber per Zufall der jährliche Familientreff zusammen und somit füllte sich das Haus mit all den Cousin-Schwestern meines Vaters. Da die meisten von denen mich das erste Mal sahen, fragten sie etwa tausendmal ob ich den Marathi wirklich verstehe und in welches College ich gehe, etc. Natürlich fragten sie nicht mich sondern meine Gastfamilie. Und etwas dass einem wirklich Angst machen kann ist, dass sie alle ohne Erlaubnis oder fragen oder so Fotos von dir machen. Sie machen einfach Fotos während du dort sitzt und versuchst nicht zu böse rein zu schauen, da sie ja Fotos machen. Naja Familienfeste sind nichts für mich, vor allem da sie nach dem Essen natürlich mit Singen anfangen was manchmal kein Ende nehmen kann.
Letzte Woche war auch noch mein Geburtstag und ich möchte mich nochmal bei allen bedanken, die an mich gedacht haben. Da es sonst keine Möglichkeit mehr gibt meinen Sari anzuziehen, startete der Tag mit dem Sariumwicklungsprozeder und den natürlich anfallenden Fotos. Danach kamen alle unsere Verwandten zu Besuch also Tanten, Cousinen und die Grossmütter und wir starteten die typisch indische Geburtstagtradition. Nämlich Segnen alle Frauen des Hauses das Geburtstagskind mit Reichtum, Glück, Liebe etc. dies folgt natürlich einer Reihenfolge. Es ist wirklich lustig und natürlich wird auch hier jedes Mal ein Foto geschossen. Danach darf das Geburtstagskind den Kuchen anschneiden und wird auch sofort mit dem ersten Stück gefüttert und dann noch mit dem zweiten und je nachdem auch noch mit dem dritten. Danach gab es ein indisches Festmahl mit südindischer Küche und vielen Süssspeisen. Danach wird natürlich noch lange miteinander gequatscht und geplaudert und am Abend veranstalteten wir eine kleine (!) Party. Viele Freunde kamen und wir genossen einfach die Zeit miteinander auch im Anbetracht dessen, dass nicht mehr viel Zeit übrig bleibt. Alles in allem war es einer dieser Tag die mir für immer von Indien im Gedächtnis bleiben werden.
Letzte Woche gingen mein Gastmami und ich auch noch zu einem Programm bei dem eine Frau welche im 7ten Monat schwanger ist gesegnet und dann von allen Gästen mit Geld oder anderen nützlichen Dingen beschenkt wird. Es war schön die Familie meiner Mutter wieder zu sehen und es ist immer wieder faszinierend wenn sich die Frauen so schön zurechtmachen und herausputzen für ein kleines Programm bei ihnen zuhause. Und die Schwangere bekommt dann auch noch ein Teller auf dem viele verschiedene Süssigkeiten stehen und zwei welche verdeckt sind. Von denen darf sie eins wählen und aufdecken. Je nachdem was sie aufdeckt wird das Kind ein Mädchen oder ein Junge sein.
Neben all diesen Ereignissen, übte ich auch weiter Mehandi und Rangolis zu machen und durfte dem Mädchen, welches mich immer mit Mehandis bemalt auch ein Mehandi aufzeichnen. Es war wirklich lustig und es funktionierte nicht ganz so gut aber sie war glücklich und ich auch.
Ja meine Blogeinträge werden kürzer und kürzer doch wenigstens lasse ich noch etwas von mir hören ;) bis bald
Ein Osterkuchen gab es dann doch noch

Mehandi- gar nicht so einfach wie es aussieht



Mit Grosi


Haare Ölen

Dienstag, 24. März 2015

Melghat

Ferien sind immer schön oder nicht? Um das Ende der Prüfungszeit meines Bruders zu feiern, gingen wir für 5 Tage auf die Reise. Am morgenfrüh machten wir uns also zu 8 in einem Auto mit 7Plätzen auf den Weg. Für Stunden durften wir fahren und Musik hören, lachen und halt die normale Autofahrt eben… und dann kamen wir zu Shegaon. In Shegaon gibt es einen riesigen Park mit Templen, Musik und Lichter-Springbrunnen, fake Dampflokomotive, Meditationshallen, Aquarium, etc. Und da meine Familie die Schwester der Besitzerin gut kennt wurden wir überall wie VIPs‘ behandelt. Im Hotel, welches eig. Kein Hotel sondern eher so etwas wie ein Mutter-Kind, Obdachlose, etc. Heim ist, wurden wir mit Tee und Z’nacht versorgt das aus 5 verschiedenen Beilagen bestand! Normal sind eine oder zwei aber fünf! Und auch im Park oder am nächsten Morgen im Tempel wo man normalerweise 4-5h warten muss um rein zukommen waren kaum 5min vergangen und schon waren wir drin. Da mein Gastvater eben viele Leute kennt und in Nasik so etwas wie eine kleine Berühmtheit ist, durfte wir dann auch noch das lokale Ingenieurscollege anschauen gehen, da ein Freund dort arbeitet. Und sie waren sehr stolz auf ihr College und das dürfen sie auch sein, da es wahrscheinlich das erste ist in dem ich eine gute Indoor-Sporthalle sah oder eine richtige Bibliothek… und wir durften auch noch kurz vor einer Klasse über die Arbeit meines Gastvaters sprechen und dann "durfte" ich noch ein bisschen über AFS und mein Austauschjahr sprechen.

Family-time



Dschungelabenteuer


Nun 2h zu spät machten wir uns endlich auf nach Melghat. Melghat ist ein Tiger Reservoir im Norden von Maharashtra und 30-35 Tiger leben dort. Am nächsten Morgen also gingen wir auf eine rundfahrt zu einem Touristendorf, da wir wirklich mitten im Dschungel unser Hotel hatten. Auf dem Weg sahen wir viele Dinge unter anderem auch ein Dorf, welches von der NGO organisation World Vision unterstüzt wird und ich war erstaunt wie anders es tatsächlich wirkte, viel bessere Kleider, gesündere Kinder, mehr Frauen auf der Strasse… man sah richtig wie viel so ein Projekt verändern kann und ich bin froh das es sie gibt. Danach wurden Landschaftspunkte und alte Tempel angeschaut und ausversehen fuhren wir auch noch in Filmaufnahmen hinein, da sie auch nicht irgendwie abgesperrt haben oder so etwas. Und wir fuhren auch an einen Punkt wo wir so quasi ganz alleine waren und dem nicht normalen nebenmonsunzeitlichen Regen zuhören konnten. Der Regen war auch ein Grund weshalb wir nicht ganz so viele Tiere sahen wie wir uns erhofft hatten.
Und wir alle bekamen irgendwie auch eine kleine Grippe und somit war dieser Tag nicht wirklich so spannend, da jedenfalls ich die meiste Zeit nur schlafen wollte…
Der nächste Morgen startete mit viel Sonnenschein und Gelächter, am Eingang zu unserem „Hotel“ konnten wir verschiedene Affen, Pfaue, ein Wildschwein, ein Adler und noch viele andere Vögel sehen. Danach gingen wir einen anderen Ausblick anschauen und es ist einfach unglaublich wie friedvoll es dort oben, in mitten des Dschungels ist. Abgesehen von Vogelgezwitscher und Grillen Geräuschen absolut ruhig. Es war auch toll das unsere Mobiltelefone kein Empfang hatten, den so konnte mein Gastvater nicht ständig Anrufe entgegennehmen J Am Nachmittag gingen wir dann auf eine Tiger-safari, doch leider sahen wir keinen, dafür sahen wir aber eine Kobra die sich einen Weg durch die Steine schlängelte, viele viele Affen, da die wirklich überall sind und ein Wildes Bison welches ruhig sein Grass ass während wir durchfuhren. Da es Menschen nicht erlaubt ist dort zu leben und man nur hindurchfahren darf ist es einfach Natur pur. Es ist irgendwie ein bisschen schwer zu erklären wie es war da es einfach so ganz anders war als unser normales Indien hier.
Da wir soviele Tiere am Morgen sahen, dachten wir uns, wir sollten nochmal eine Safari machen aber am Morgen früh. Dies taten wir dann auch doch leider sahen wir nur ein paar Pfaue und ein Wildschwein, alle andere Tiere hielten sich gut versteckt…

Danach ging es dann auch schon wieder ab nach Hause. Mit dem Auto 12 Stunden durch die Hitze fahren ist einfach toll, deshalb genossen wir es dann auch und sind gut und gesund wieder nach hause gekommen. 

Donnerstag, 12. März 2015

Holi und weshalb man Indien einfach lieben sollte

Wie ein paar von euch wahrscheinlich mitbekommen haben feierte Indien gerade eines seiner vielen Festivals und zwar Holi. Bei uns wurde es zwar ein bisschen anders gefeiert als im Norden aber nichtsdestotrotz war es lustig. Am ersten Tag von Holi wurde ein Feuer gemacht mit verschiedenen Brennmaterien. Jeder Block oder jedes Quartier hat zusammen eines gebaut und dann auch angezündet. Holi wird gefeiert um die Göttin Holi zu ehren und das Feuer hat nebenbei auch noch einen sehr nützlichen Zweck. Die Ureinwohner haben nämlich sehr trockenes Holz aus dem Wald genommen und verbrannt und damit die Chancen eines Waldbrandes vermindert. Der Part von Holi, welches das Fest weltweit bekannt macht wird in Maharashtra erst 5 Tage später gefeiert und ist nunja, andere mit Farben beschmieren und mit Wasser abkühlen J Die alte Traditionelle Art ist, dass man mit seiner Familie und Freunden spielt und so sind meine Gasteltern und ich von Haus zu Haus gefahren und haben Farbe mit uns gebracht. Da sie mir alles zeigen wollten gingen wir dann auch noch in die Stadt um die „moderne“ Art zu sehen. So gab es Brunnen oder ausgehobene Bäder die mit gefärbtem Wasser gefüllt waren und in denen man ein Bad nehmen konnte und somit auch noch gerade eine gratis Färbung des Körpers und aller Kleider. Und dann gab es noch Regenduschen, wobei mitten auf der Strasse ein paar Duschköpfe zusammen Regen brachten und in denen jeder, dank der angenehmen Hindimusik, tanzte. Inder sind einfach Masters‘ in Feiern und wissen auch wie sie mehrere Generationen zusammen bringen können. Manchmal ist es zwar wirklich ganz anders als wir es uns vielleicht gewöhnt sind doch das macht ja auch irgendwie seinen Reiz aus…
Ja, was ist sonst noch so passiert? Eigentlich nicht viel, Februar ist immer so ein kurzer Monat. Doch es war trotzdem interessant und voller Erlebnisse. Man traf Freunde wieder, sah einen neuen Kinofilm etc…
Meine Fitnesszentertage sind jetzt leider schon vorbei oder jedenfalls vorläufig und da mussten natürlich noch ein paar Fotos geschossen und gezeigt werden. Meine Gene sind übrigens von väterlicherseite wie sie mir einstimmig verkündet haben.
Bei uns ist es jetzt Sommer und ständig so heiss. Mein Körper hat sich auch noch nicht so ganz an die Hitze gewöhnt und Kopfweh oder Übelkeit ist mein häufiger Begleiter. Doch da ich die ersten 7 Monate ja überhaupt keine Gesundheitlichen Probleme hatte, ist es nicht so schlimm.
Und Morgen werden wir endlich in die Ferien gehen, da mein Gastbruder seine Prüfungen abgeschlossen hat. Wir werden in einen Natur und Wildlebenspark gehen und ich hoffe ich werde das ein oder andere Tier sehen, und nicht nur Mücken…
Da ich heute eher wenig Spannendes zu erzählen habe, möchte ich mal ein paar Dinge aufschreiben, die ich an Indien mag – und die es in der Schweiz so definitiv nicht gibt.
Etwas sehr Schönes an Indien ist, das es keine Rolle spielt welche Religion du hast(und auch immer weniger welche Kaste) sie werden deine Religion respektieren und dir manchmal zwar neugierige Fragen stellen doch die beantworten wir doch gerne. In Indien gibt es so viele verschiedene Religionen und Unterreligion und doch leben sie alle in ziemlichen Frieden zusammen. Da Religion wenigstens für Hindus irgendwie omnipräsent ist, ist das ja auch irgendwie wichtig.
Was mir manchmal Mühe macht aber an sich eigentlich wirklich etwas Gutes ist, die Inder werden dich Gastfreundlich aufnehmen und wohin du auch gehst mindestens einen Tee solltest du als guter Gast schon trinken und vielleicht noch etwas kleines Essen. Doch wenn man gerade zuhause gegessen hat oder schon vorher irgendwo auf Besuch war und dort bereits Teechen getrunken hat, nun dann kann man trotzdem nicht verzichten, da es sonst die Gastgeber verletzen würde. Sie lieben es auch mit dir zu plaudern und sind nach 8 Monaten immer noch erstaunt wenn du ein paar Wörter in ihrer Sprache sagst. Inder sind zu dem unglaublich stolz auf ihr Land welches ein paar grossartige Persönlichkeiten hervorgebracht hat. Doch sie selbst dürfen es natürlich auch kritisieren und dass machen sie auch oft. Wenn ich dann jedoch zustimme, weil gewisse Sachen einfach wirklich dumm und nicht durchgeplant sind, werden sie ganz bestimmt IHR Indien verteidigen und mir sagen, dass jedes Land Fehler habe und blabla… ich finde das zwar eher amüsant aber naja.
Inder werden dich auch nicht einfach so verurteilen oder schlecht reden, ausser über „Unwichtigkeiten“ wie zum Beispiel das Gewicht oder so sachen. In meinem Gym wurde man, sobald man mal auf die Waage stand, sofort von allen gefragt, was den das Gewicht sei und wenn es mal mehr war als am Vortag wird einem ein Vortrag gehalten, dass man gesund essen solle und das man definitiv Gewicht verlieren sollte. Solche Dinge sind hier einfach öffentlich. Das erste was einen viele Menschen fragen ist „Was hast du heute gegessen?“, neben der Tatsache, dass das wohl jeden Tag ziemlich dasselbe ist, sind die Namen manchmal äusserst schwer zu merken. Oder die Verkäufer werden dich fragen für was du dies den brauchst und was du damit tun willst.
Nebenbei bemerkt sind Schuhläden hier etwas vom lustigsten überhaupt, die Verkäufer werden dir schön hinterher laufen und dir dabei helfen die Schuhe anzuprobieren! Also muss man dann immer irgendwie von Ihnen weglaufen und die Schuhe selbst an seine Füsse zu setzen. Hier ist es auch äusserst unhöflich, wenn man einfach in einen Laden geht und dann nichts kauft. Da man nicht selbst durch die Dinge stöbern kann, sondern ein Verkäufer von einem Regal hinter ihm alle Waren die er hat zeigt und du dann irgendwie so entscheiden musst, ist es ja auch verständlich…
Inder sehen ausserdem in jedem sofort einen Freund und bezeichnen dich auch als das, wenn man mehr oder weniger als Bekannte angesehen werden kann. Was auch toll ist an Indien, sind die riesigen Familien. Weshalb kann den die Schwiegermutter der Nichte nicht auch als enge Verwandte bezeichnet werden und wenn die Cousine des Ehemanns der Tante stirbt sollte man nun doch schon an die Beerdigung gehen.
Sie können sich auch immer Zeit nehmen und werden dich nicht komisch anschauen wenn du 30Minuten zu spät kommst, vielleicht sind sie selbst noch gar nicht da J Sie lassen sich nicht so schnell stressen und man findet, dass sie ziemlich im Moment leben.

Manchmal ist es verwirrend, eigentlich immer laut und chaotisch, manchmal sanft und melodiös, manchmal scharf und manchmal zu süss doch es ist einfach Indien und es ist unglaublich! Es hat so viele verschiedene Kulturen und Sprachen und Gewürze und meiner Meinung nach kann man es nur lieben.


Samstag, 14. Februar 2015

Heute habe ich endlich mal Zeit um mal wieder etwas hochzuladen. Da jetzt leider nur noch 3 Monate, 1/3 des ganzen Jahres oder ein bisschen weniger als 100 Tage übrig sind bis dieses herausfordernde, abwechslungsreiche und manchmal auch langweilige Jahr vorbei ist, versuche ich so viel Indien wie möglich anzusammeln und mache Listen, was ich noch alles tun möchte, kaufen MUSS(!), lernen sollte, etc.
Und dann ist da noch die Sache mit meinen Freizeitbeschäftigungen. Zurzeit gehe ich täglich ins Fitnesszenter, und wenn ich mal nicht gehe, werde ich am nächsten Tag natürlich sofort von allen meinen Gymkolleginnen konfrontiert, weshalb ich denn nicht kam ( Dabei kommt die meisten von Ihnen nur 2-3 mal in der Woche…) dann gehe ich dreimal ins Basketball, obwohl es auch täglich wäre, sogar Sonntags, was zum gleichen Ergebnis führt. Nur das mein Coach dort standhaft behauptet, dass wenn man drei Tage, also eigentlich habe ich nur 1 Tag gefehlt, nicht kommt ist das etwa dasselbe wie wenn man 3 Monate fehlt. Dann habe ich am Wochenende Zeichnungsklassen angefangen um Warlipainting, die traditionellen Zeichnungen von einem der vielen Stämme, zu lernen. Da die Lehrer aber finden ich müsse auch lernen mit Farben zu malen, da Blei- und schwarzer Stift doch einfach langweilig seien, darf ich auch andere Dinge zeichnen und es gefällt mir gut. Am Sonntagmorgen stehe ich jeweils um 6.45 auf, um mit meinem Gastvater und seiner umweltsozialen Gruppe, nach Tapovan, so ein Platz halt J, zu gehen. Dort lockern wir die Erde auf und giessen dann alle Bäume, in dem wir eine Kette vom Fluss her bilden, und pflanzen auch neue Bäume. Es macht Spass vor allem auch weil so viele in meinem Alter, oder ein bisschen älter, dabei sind und wir nachher immer alle zusammen Tee trinken gehen.
Was mich allerdings manchmal nervt, also nicht nur am Sonntagmorgen sondern generell, ist, dass die Leute nach Sieben Monaten immer noch sooooo entzückt sind wenn ich ihnen auf Marathi antworten kann das mein Name tatsächlich Janice ist. Dabei konnte ich das schon sagen bevor ich überhaupt hier war…
Sie erklären mir dann jeweils, dass sie halt einfach Freude daran haben, wenn eine Ausländerin Marathi lernt. Die meisten Ausländer lernen nämlich Hindi, wenn überhaupt und deshalb reden mich viele auch in Hindi an. Was dazu führt, dass ich manchmal sehr verwirrt bin. Wenn man ein Gespräch hört und dann plötzlich ist alles immer noch sehr ähnlich, man versteht einfach nichts mehr, nun dann weiss ich dass sie jetzt zu Hindi gewechselt haben.
Ausserdem lerne ich von meiner Gastmutter gerade ein bisschen, wie man meine Lieblingsgerichte zubereitet, damit ich die dann in der Schweiz auch ganz schnell wiedermachen kann. Allerdings werde ich Probleme mit den Zutaten haben, da es einfach kein Linsenmehl, Curryblätter oder sonst noch tausend Dinge gibt.
Lesen und Mehandi’s zu zeichnen gehört natürlich auch dazu, ebenso wie ab und zu mal Shoppen oder Freunde treffen.
Was letzten Monat auch noch so passierte: Republiktag, Mumbai, ein verpasstes Päckli und ganz viele lustige Momente.
Der Republiktag war ein GROSSES Ereignis. Rose, Stefano und ich wurden von der Schule in der der Gastvater von Rose arbeitet, eingeladen und waren die Ehrengäste der ganzen Veranstaltung. Um 4.30 morgens ging es los von Nasik, denn die Schule ist ca. 2 ½ h entfernt. Nach einer Autofahrt die nicht ganz so gemütlich war, da uncle nicht wirklich sooo gut Auto fährt und überall Geschwindigkeitsbrecher sind, was dazu führt, dass er zuerst abbremste bis die ersten zwei Räder darüber fuhren und dann wieder Gas gab und wir im hinteren Teil des Autos hochgeschossen wurden… Als wir dann endlich dort ankamen, mussten wir zuerst Kleider wechseln. Rose und ich durften also in einen Sari schlüpfen und Stefano eine schöne Kurta anziehen. Weil wir die Ehrengäste waren, bekamen wir einen Turban umgebunden und auch ganz tolle Snacks und so. Oh und man vergesse nicht die 1000 Fotos die von uns geschossen wurden. Alles im allem war es aber lustig, die Fahnenhissung und das anschliessende Programm, welches aus Tänzen der Schüler bestand, wurden genossen, so wie auch die Gemeinschaft unter uns drei. Wir gehen zwar in dieselbe Klasse und sehen uns meistens auch noch in der Freizeit, ABER das ist nicht dasselbe J
Da ich alle meine oben erwähnten Listen natürlich meinen Gasteltern zeigte, machten wir kurzerhand Pläne, nach Mumbai zu gehen. Eigentlich ist es wirklich nicht weit weg, 3h Zug fahren und man ist mitten in der Stadt.
So planten also mein Gastmami, ihre Freundinnen und ich ein Tag in der Metropole.
Weil keine Männer mit uns kamen, mieteten wir ein Privates Taxi für den ganzen Tag und so war es uns möglich, all die Sehenswürdigkeiten zu sehen. Gateway of India, Marine Drive, Sea Link, the Hanging Gardens, Strand etc. und natürlich sahen wir auch noch ein Promi beim Autowechsel, was dazu führte, dass die einte Freundin wie verrückt das Auto gefilmt hat, dabei sah man ja gar nichts… Ausserdem begann ich ein paar Bollywood schauspieler zu bemitleiden, da der eine, sein Haus bald verlassen wollte und sich vor seinem Haus vermutlich mehr als 100 Leute versammelt haben, auch wir gesellten uns für 5 Min dazu, doch wir wollten noch ein bisschen Shopping machen und gingen deshalb auch wieder. Das Shopping war dann aber ein bisschen enttäuschend, weil es war einfach so verwirrend. Die Freundinnen meiner Gastmutter wollten alle, dass ich etwas kaufe, die Verkäufer natürlich auch und deshalb kaufte ich am Schluss nichts. Ausser einem amerikanischen Müesli, auf welchem Stand das es ganz Swiss-Style sei und ein paar anderen kleinen europäischen Nahrungsmittel, allerdings kaufte ich die Rittersport schoggi nicht, weil nun jaa, meine Gastfamilie denkt sowiso schon, dass ich Schoggi verrückt bin, was ich leider nicht verhindern kann. (Allerdings habe ich es nachher bereut, das ich die feine Schokolade nicht gekauft hatte) Aber: Das Müesli war suuuuper! J
Ausserdem war ich sehr geschockt von den Touristen. Ich bin es mir nicht mehr gewöhnt weisse Menschen zu sehen, ausser Rose und Stefano aber die sind normal, und diese Leute waren einfach so komisch. Sie sahen manchmal wirklich lustig aus, mit blauen Shorts und orangen T-shirt über dem Bierbauch oder mit Spaghettiträger und kurzen Hosen. Ich fand es so unnatürlich, wie sie aussahen und herumliefen und so und tat einen guten indischen Job im Starren :D Und natürlich habe ich irgendwie dabei vergessen, dass auch ich nicht gerade indisch aussehe. So fand ich das die blonde Touristin mit der Kurta, wirklich versucht wenigstens ein bisschen Indien näher zu kommen, während die andere Touristin mit dem langen Kleid welches die Schultern aber nicht bedeckt halt irgendwie am falschen Ort gelandet ist… Ja, ihr könnt jetzt sagen, dass ich ja gar nicht weiss weshalb sie in Mumbai waren und was sie dort taten etc. und dass ist wahr. Es war mehr so eine Reaktion aus Neugier, Erinnerung aber auch zu Ungewohntem.
Letzten Monat gab es auch mehrere Kommunikationsprobleme mit der Schweiz. So kam das Weihnachtspäckli nach drei Monaten wieder in der Schweiz an, Grund: Nicht Zustellbar. Ausserdem wollte ich skypen, vergas aber schon 2/3 Stunden vorher nachzuschauen ob das Monatsinternetabo schon abgelaufen ist und überraschung, es war. Die halbe Stunde die ich eingeplant hatte für das verstrich und immer noch kein Internet… So fiel dieser Skypeversuch ins Wasser. Alle diese Dinge haben zu Spannungen und viel Drama geführt.
Letzte Woche kaufte ich übrigens einen Sari! Der ist wunderschön cremefarben mit blauem Muster und Bluse. Jetzt muss nur noch die Bluse genäht werden und fertig ist er! Ich freu mich schon.
Die nächste Mal wenn ich euch wieder berichte werden nur noch zwei Monate übrig bleiben und noch weniger Zeit um alles zu geniessen und aufzunehmen.
Warten für einen Schauspieler


Mumbai

Überfülltes Zugabteil

Taj Hotel

Meer


Indisches Essen♥

Chapati - Fladenbrot

Fotos








Donnerstag, 22. Januar 2015

Nachweihnachtliche Stimmung

Nach eigentlich keinen Weihnachtsferien ging es bei uns im College sofort munter weiter. Und zwar hatten wir so ganz spezielle Tage, an denen wir an verschiedenen Wettbewerben mitmachen konnten und uns verkleiden mussten. Da war Retro-day, Traditional-day, Group-day und noch sonst was. Da ich eigentlich gemeint habe es sei vielleicht ein bisschen so wie an der Fasnacht bei meiner Schweizerschule war ich doch ziemlich überrascht. Das erste komische war das Timing: von 11.00 – 14.00 oder so ungefähr man konnte auch früher gehen oder später kommen, es gab keine Anwesenheitspflicht. Dieses Timing ist halt, wenn man normalerweise schon um 10.30 zuhause ist, komisch. Dann war da diese Sache mit den Wettbewerben. Da Rose (von Frankreich) und ich beschlossen hatten einfach mal ein bisschen mitzumachen, meldeten wir uns für Dinge wie Mehendi oder Rangoli wettbewerb an. Die waren beide am Montag und wie uns eine Freundin versicherte, reiche es bestimmt wenn wir um 11.00 da auftauchen würden, natürlich in Retrostyle. Doch urplötzlich kam dann der Anruf. Nein, der Rangoliwettbewerb starte um 10.00 und wo wir den seien, wir wollten doch mitmachen? Da man ca. 40/50 Min von meinem Haus bis zum College braucht mit laufen etc. war ich dann doch ein bisschen spät, doch zum Glück hatte Rose schon viel Arbeit geleistet und ich musste nur noch kurz die Schweizerflagge verbessern, da sie die Dänische gemacht hatte (Das weisse Kreuz geht überall bis an den Rand) und ein paar Verzierungen hinzufügen.
Da ich das Haus im Stress verliess, trug ich natürlich kein Retrooutfit, was dann schon mal hinterfragt wurde. Und ausserdem dachte ich nicht daran, ein Mehendicone (so ein Ding mit dem Henna drin) mitzubringen für den nächsten Wettbewerb. Dieser sollte aber auch schon um 11.00 starten und ja, wo bitteschön findet man die so auf die Schnelle? Glücklicherweise, trafen wir dann auf eine Freundin und sie holte schnell zwei Cones mit ihrem Roller.
Als dann auch dieser Wettbewerb beendet war, ich muss sagen, Rose hat Mut bewiesen und mich einfach so ein Mehendi auf ihren Arm pflastern lassen obwohl ich das noch nie gemacht habe. Es kam dann trotzdem irgendwie gut raus und ich bin sogar ein bisschen stolz auf mich.
Um den Tag abzuschliessen gingen wir mit Rani(Die Gastschwester von Rose welche eigentlich Mancy heisst) und Stefano zu Pizza Hut. Und nur so, geht nicht mit Italienern zu Pizza Hut. Aber sogar ich war ein bisschen enttäuscht, weil es sogar nicht wie Pizza war sondern mehr so Tiefgekühlte und aufgebackene Pizza ohne Tomatensauce oder Schinken…
Ein paar Tage später war dann auch schon Neujahr, welches meine Gasteltern und ich mit Freunden verbracht haben und so Spiele wie Stadt, Land, Fluss oder Uno gespielt haben. Das Stadt, Land, Fluss war besonders lustig weil die Hälfte in Marathi und die andere in Englisch gespielt hat und weil es mitten in der Nacht war, war ich dann auch noch so intelligent, dass englische „e“ mit dem deutschen „i“ zu verwechseln. Aber es ist ja auch irgendwie verwirrend…
Wir haben allerdings nicht angestossen oder so was, Frauen trinken hier sowieso nicht in der Öffentlichkeit.
Und weil die 12te Stufe unseres Colleges gerade Unittest hat, haben wir ganze ZWEI lek. Schule jeden Tag und danach unsere eigenen Unittests. Es ist noch schön, da sie uns erst um 8.00 beginnen lassen und somit kann ich jetzt ständig spät aufstehen, muss dafür aber auch an die grosse Strasse laufen und einen überfüllten Bus nehmen. Ich könnte ja auch mit der Riksha gehen, aber irgendwann letzte Woche habe ich einfach aufgehört und den Bus genommen. Den Rikshas sind langsamer, teurer und man sitzt seeehr unbequem, da sie immer irgendwie so viele Leute wie möglich mit reinstopfen wollen. Und die Busse sind nicht sehr pünktlich was mich immer denken lässt ich habe sie verpasst was dann meistens doch nicht der Fall ist.
Letzten Samstag wollte ich eigentlich UNBEDINGT an den Nasiklauf gehen, bin dann aber trotzdem nicht gegangen, weil ich am Tag davor mit Basketball angefangen habe an Rani’s Schule die ca. 20 min. mit dem Velo weg ist. Da es aber der erste Tag war musste ich zuerst um 15.00 dorthin gehen um nachzufragen ob es wohl möglich sei, was sie dann bestätigten oder besser gesagt sie wollten, dass ich um 17.00 Uhr wieder komme und so machte ich an diesem Tag unnötig viel Sport; Gym, Fahrrad, noch mehr Fahrrad und nach über einem halben Jahr Pause auch endlich wieder mal Basketball. Da finde ich es nun doch verständlich, dass ich zu müde war um 6.00 Uhr in der früh aufzustehen um an einen Lauf zu gehen. Doch im Nachhinein bereue ich meine Entscheidung nun doch, denn ich sah viele Fotos und es sah ziemlich toll aus.
Einmal ging ich eine bisschen auf Fotojagd in unserem Quartier und da ich ohne Schal ging war das Ganze eine schöne Komödie. Denn ein weisses Mädchen MIT Kamera? Nun das sieht man ja nicht alle Tage. Aber mich anzusprechen getraut haben nur zwei kleine Buben, die mir dann ihre ganzen Freunde gezeigt haben, welche in der Schule waren und so richtig aufgeregt waren und herumgeschrien habe wie nichts „ Didi, ek Photo görne“ „Didi ek Photo please“ „Maze Photo pan gör“ etc. Da es eine Government Schule ist interessiert es sowieso niemand, was diese Kinder tun, denn sie sind aus den Slums und die Kinder der Wachmänner und Haushaltshilfen. Deshalb hat sie auch niemand beruhigt als sie so rum geschrien haben und es ist eben auch ein Dilemma mit der Kinderarbeit. Wenn 5t Klässler Texte für 2eit Klässler nicht lesen können, weil die Lehrer es ihnen nicht beibringen, weshalb sollten die Kinder dann in die Schule gehen? Sie können ja genauso gut ein bisschen Geld verdienen und somit die Familie unterstützen…
Versteht mich nicht falsch, ich bin auf keinen Fall für Kinderarbeit, aber ich sage nur solange wir Ihnen keine bessere Lösungen bringen sollten wir sie auch nicht so fest dafür verurteilen was diese Eltern mit ihren Kindern tun.

Auch von dem Abfall habe ich ein paar Fotos gemacht und man gewöhnt sich sehr schnell an diesen Anblick oder an die vielen Strassentiere. Man könnte einen ganzen Bauernhof gründen, mit all diesen Kühen, Schweinen, Hunden, Raben und Katzen. Naja Raben gehören vielleicht nicht so auf einen Bauernhof aber immerhin… Unser Viertel ist eben eins in dem sich Raben und Schweine noch „Guten Tag“ sagen J

Das Problem mit dem Abfall ist, dass sie nicht so wie wir eine Abfallabfuhr haben. Oder die kommt nur einmal die Woche und nunja hier putzt man seine Wohnung täglich und leert natürlich auch den Abfall. Respektive jemand anderes geht und leert den Abfall auf der Strasse aus. Es nervt mich wirklich vorallem auch weil es sehr umweltschädlich ist. Leider habe ich schon wieder vergessen, wie lange die Natur braucht um ein Stück Plastik abzubauen, aber es ist jedenfalls sehr, sehr lange.  Und weil es halt auch einfach das Land so dreckig macht. Ich weiss wirklich nicht weshalb sie das ihrem eigenen Land antun, aber sie tun es und es macht mich halt einfach verrückt. Punkt.
Und da jetzt schon wieder examzeit ist haben wir entweder keine Schule oder halt Prüfungen, doch die Prüfungen sind so einfach, dass man nach 20 Min längst fertig ist und gehen kann. Weshalb die Prüfungen überhaupt nicht schwer sind? Nun, wenn man ein bisschen im Textbuch liest und die Fragen am Ende jedes Kapitels beantwortet hat man eine gute Note, denn die Fragen am Test sind meistens dieselben und wenn nicht, dann geben uns die Lehrer natürlich die exakten Fragen vorher, damit wir uns vorbereiten können und unsere Schule eine möglichst gute Bilanz hat. Denn keine Schule will viele schlechte Schüler, dass würde ja dem Image schaden. Deshalb schrauben sie einfach die Schwierigkeit herunter et voila! Alle kommen durchs Schuljahr.

Letzten Montag gingen wir zu einem Vogelbeobachtungsplatz. Es ist so ein Platz wo all die Treibvögel von Europa, etc. im Sommer hinfliegen. Es war schon toll die so zu beobachten und da gerade Zuckerrohrernte war kauften wir ein paar. Aus Zuckerrohr wird bekanntlich Zucker hergestellt. Doch man kann auch ganz einfach die Stängel kauen und den Saft somit raussaugen. Es ist wirklich lustig und schmeckt köstlich( Seeeehr Süss halt) doch die Zähne leiden schon ein bisschen, denn die Stängel sind ziemlich dick zum durchbeissen… Es war nichtsdestotrotz ein unvergessliches Erlebnis und war lustig.

PS: Fotos folgen später