Montag, 11. August 2014

Berge, Regen und Wandern

Wie schnell die Zeit doch vergeht! Jetzt ist schon über ein Monat von meinem Austauschjahr vergangen. Ich habe viel Dinge gesehen und erlebt und es fühlt sich an als seien wir schon seit Jahren hier. Ob ich die Schweiz manchmal vermisse? Klar vor allem die Menschen und die Sprache. Denn ich verstehe nicht sehr viel ausser sie wollen dass ich es verstehe und englisch sprechen.
Und von einem ganz speziellen Erlebnis möchte euch jetzt erzählen. Seit ihr schon einmal absichtlich im Regen wandern gegangen? Nein? Ich wusste auch nicht, dass man durchaus machen kann. So sind wir also an einem Samstagmorgen früh aufgestanden, ausnahmsweise Mal nicht in die Schule gegangen, und haben unsere sieben Sachen und die Regejacken gepackt und sind losgegangen. Natürlich nicht alleine, nein, wir haben einen ganzen Transporter voller Leute mitgenommen.
Und da Janice natürlich nicht so genau gewusst hat, was für Dinge man denn so auf einer Bergumrundungstour braucht, hat sie irgendwie alles ein bisschen falsch gewählt. Die falsche Jacke, die falschen Schuhe( es waren die richtigen, ich habe nur drei paar und ich weiss nicht mit was ihr lieber gehen würdet, Flipflops, schönen Sandalen oder Turnschuhen aus Leder) Naja ich habe die Flipflops gewählt. Da aber viele von uns auch Barfuss gingen, konnte ich ein paar richtige Sandalen auslehnen. Was im Nachhinein wohl eine sehr gute Entscheidung war, denn mit meinen Flipflops, die noch aus der Schweiz sind und eig. Nur für den Strand mehr oder weniger taugen, wäre ich alle fünf Minuten umgefallen. Und da ich dachte, es regnet bestimmt nur ein wenig, denn wer geht schon wandern wenn es richtig regnet, habe ich meine fake Lederjacke angezogen und wurde damit belohnt, dass ich schon zu Beginn der Wanderung durchnässt war. Aber hei, ich wurde nicht krank.
Als Kopfbedeckung habe ich dann auch ein sehr modisches Accessoire gewählt und zwar wenn ich euch präsentieren darf, neuste Modeerscheinung und unbedingt empfehlenswert, ein Plastiksack. Ja ihr habt richtig gehört, ein weiss-oranger Plastiksack. Und ich stelle wohl besser kein Foto davon online, denn gewisse Dinge möchte man halt für sich behalten (Wie neue Trends)
Da wir nicht Bergsteigen sondern Bergumwandern gingen, war es die meiste Zeit ziemlich flach und nicht anstrengend. Und da ja Regenzeit ist sieht man in all den Bergen rundherum Wasserfälle runterstürzen und es ist wirklich wunderschön, leider kann man es nicht mit der Kamera einfangen. Vor allem da es ja auch nicht so empfehlenswert ist, seine Kamera mit zu nehmen, wenn es regnet.
Beim Mittagessen, hat jeder eigentlich etwas für sich mitgebracht und noch ein bisschen mehr, denn was wäre indisch daran, wenn man nicht für jeden ein bisschen mitnimmt und teilt und teilt. Es war aber grossartig und fein. Es gab keinen Reis aber bei weitem auch keine Sandwiches oder so, sondern Chapati (Fladenbrot), Puri (kleines Brot welches süss oder salzig ist) und viele verschiedene Gemüse zum dazu Essen. Ich weiss nicht wirklich wie man die Dinge nun in Englisch schreibt, da ich immer die Lautsprache aufschreibe, jedenfalls am Anfang. Und die Zeichen zu entziffern versuche. Leider gibt es nicht nur das Alphabet, wie ich letztes Mal beschrieben habe, sondern sie hängen die Buchstaben auch noch zusammen, so dass alles wieder ganz anders aussieht. Und Jeder Vokal hat eine Abkürzung und man braucht eigentlich nie die ganzen, nur wenn z.B. ein i hinter einem a kommt. Ja. Und deshalb bin ich immer noch beim Alphabet. Auch wenn ich einigermassen lesen kann, weiss ich ja doch nicht was die Sachen heissen. So bedeutet unser „Zug“ hier „Fehler“. Also wenn ich „Fehler“ sagen will muss ich immer an einen Zug denken. Es gibt aber noch blödere Dinge, so bedeutet „Ja“ hier „Komm“. Am Anfang habe ich nie ganz verstanden wieso sie immer jajaja, sagten wenn ich einen Raum betrat doch nun macht es ja doch irgendwie Sinn, nicht wahr? Oh, ich bemerke gerade, dass ich ein bisschen vom Thema weggekommen bin.
Jedenfalls habe ich die Wanderung genossen, und neue Freunde gefunden, denn auch wenn wir nicht wirklich gut miteinander kommunizieren können geht es dann doch ganz gut. Am Abend, als wir endlich den ganzen Berg umrundet haben, wurde unsere ganz Gruppe ( wir waren zwischen 30-40) von einem Freund meines Gastvaters eingeladen. Wir assen viel und gut, tranken Chaha, und haben ihr Haus bewundert, denn es ist das eleganteste und schönste Haus, dass ich in Indien bisher gesehen habe. Auch wenn ich nie darin leben könnte. Denn wer fühlt sich in so einem Luxus schon wohl, wenn am Rande des Grundstücks eine kleine Hütte für die Bediensteten steht und auch sonst auf dem Land die Menschen so arm sind. Ich nicht, nicht ich.
Die Leute hier sind wirklich arm und deshalb ist es auch normal, ein paar Süssigkeiten einzupacken wenn man wandern geht. Die verteilten wir dann an die Kinder welche somit auch mal ein bisschen Schokolade( Die Inder sagen allen süssen Täfeli Choclate und ich frage mich oft, wo denn nun die Schoggi versteckt ist) bekommen. Die Armut ist generell überall und man kann sie nicht ignorieren, doch wo soll man anfangen, etwas zu verändern? Die Bauern pflügen ihre Felder mit den Ochsen und wenn sie halt keine Ochsen haben dann spannen sie sich selbst in den Pflug ein. Was dann doch die Minderheit ist. Na jetzt sind wir bei einem so traurigen Thema angekommen, dabei will ich euch doch die schönen Seiten zeigen.
Deshalb erzähle ich euch ein bisschen von meinen Strassenerlebnissen. In die Schule gehe ich mit einer Rikscha, da eine normale Rikscha aber zu gefährlich wäre, ist es eine sogenannte privat Rikscha, was eigentlich nur meint dass, er uns bei unserem Haus abholen kommt und es immer derselbe Fahrer ist. Ich spreche von uns, weil Rose, die Austauschschülerin von Frankreich und ich uns eine Rikscha teilen, wir wohnen nicht nahe beieinander oder so aber sie wohnt auf meinem Schulweg. Und da wir alle drei AFS-Austauschschüler in meiner Stadt in dieselbe Klasse gehen, ist es ja ok. In der Rikscha oder wenn ich mit meinem Vater auf dem Motorrad unterwegs bin, müssen wir immer ein Kopftuch tragen. Was am Anfang wirklich komisch war, doch jetzt ist es ganz ok.  Ja ihr habt richtig gehört, meistens bin ich mit einem Motorrad unterwegs, natürlich ohne Helm, denn wer braucht schon einen Helm. Der Verkehr ist manchmal ein bisschen beängstigend weil ständig gehupt wird, was das Zeug hält. Doch sonst ist es nicht so gefährlich, weil sie alle miteinander kommunizieren und ich nie jemand schneller als 50 fahren gesehen habe ausser meinen Bruder. Mein Bruder ist gleich alt wie ich, aber er kann Auto fahren und zwar besser als meine Eltern. Deshalb fährt auch er wenn wir als ganze Familie unterwegs sind. Meistens hat er aber keine Zeit weil er jeden Tag seine Tutions hat und in der 12ten ist, welche wirklich wichtig ist hier, da sie Entscheidet in welches Seniorcollege man kommt. Das Seniorcollege ist so etwas wie eine Universität. Also wichtig.
Und ich habe beschlossen hier einfach von Mutter, Vater und Bruder zu sprechen, denn das ist viel einfacher als immer noch ein Gast- davor zu hängen und ich bin ausserdem daran es zu lernen ihnen so zu sagen. Also es ist nicht irgendwie weil ich mein Mami& Papi und Schwestern in der Schweiz nicht vermisse oder so, denn ich vermisse euch:*.

Generell gibt es Phasen in denen man alles vermisst und solche in denen man doch sehr glücklich ist hier zu sein. Was ich sehr vermisse ist die Schule, denn hier muss ich nur die Texte aus dem Textbuch in mein Notizheft kopieren und wenn ich mein Buch zu Hause lasse, dann einfach nur schreiben was der Lehrer sagt, denn auch er liest aus dem Textbuch vor. Wir in der Schweiz sind so privilegiert mit unserer Bildung also meine Lieben, schätzt sie! Ausserdem wenn die Lehrer keinen Unterricht abhalten wollen, was meistens die zwei letzten Lektionen des Tages betrifft, dann halten sie keinen. Somit hat in den drei Wochen Schule die letzte Stunde noch nie stattgefunden. Weshalb wir sie dann überhaupt „haben“ frage ich mich manchmal auch…
Die wunderschönen Berge Indiens

Uns drei Austauschschüler am Glace geniessen

Sturzbächlein sind überall in den Bergen

Unser Transporter, so sind wir in die Berge gefahren ☺
Ich bin übrigens der weisse Geist auf der Seite

Das Kopftuch tragen gehört schon fast zum Alltag