Sicher habt ihr schon mal von den Indern und ihren Festivals
gehört. Nun letzte Woche hat die Festival Season begonnen. 10 Tage lang wurde
am Abend und am Morgen zu Ganesh, dem Gott mit dem Elephantenkopf und
den vielen Händen auch bekannt als der Gott der Weisheit und Klugheit, gebetet.
Sie opferten ihm Früchte und Süssigkeiten, die sie natürlich selbst assen, er
hat sie halt auf eine Art geheiligt. Es war ganz interessant all das zu sehen
und mitzuerleben, allerdings fühlte ich mich manchmal auch ein bisschen unwohl,
vor allem wenn sie wollten, dass ich das Arti übernehme. Das Arti ist
eine Art der Anbetung, man hat ein Teller mit einem Öllicht in der Hand und
macht die ganze Zeit so Kreise etc. Aller anderen Singen und Klatschen. Aber es
gab auch andere Dinge die man tut, so verziert man den Boden vor dem „Altar“
mit Rangoli, einer wirklich coolen Art von Reispulver Verzierung. Ich
durfte ihnen helfen, eines zu machen, und auch wenn man ganz genau sah welcher
Part von mir war, war es wirklich schön. Alle zwei Tage haben sie ein neues
gemacht, mit viel Kreativität und Ideen.
Gestern haben wir dann ein bisschen anders gefeiert, meint
wir haben eine Coucousine( naja immer noch schwester genannt) eingeladen so
eine Art von Programm zu machen mit Gesang und einer Rede, von der man etwas
lernen sollte. Naja ich muss sagen sie hatte eine sehr schöne Stimme, leider
habe ich quasi nichts verstanden. Aber da meine liebe Marathilehrerin, welche
mehr eine gute Freundin ist, da wir oft nur über alle möglichen Dinge reden und
sie nur 1 Jahr älter ist, neben mir gesessen ist, hat sie mir am Schluss eine
kleine Zusammenfassung gegeben. Es ging darum das man ein glückliches Leben
hat, wenn man in jemandes Gebeten und in jemandes Gedanken ist. Da das meistens
die Eltern betrifft sollte man sich glücklich schätzen, Eltern zu haben und sie
respektieren.
Und da viele Leute kamen um zu zuhören, die meisten von
ihnen kannte ich ein bisschen und sie waren alle sehr glücklich mich zu sehen
und ein kleines Mädchen wollte ein Autogramm von mir, was dann doch ein
bisschen komisch war, denn ich bin ja nicht wirklich anders, ich verstehe nur
ihre Sprache nicht wirklich und bin WEISS. Das nervt schon manchmal wenn jeder
dich als etwas anderes betrachtet weil du eine andere Hautfarbe hast. Es gibt
Menschen, die einfach auf dich zu kommen, wenn du irgendwo bist (meistens passiert
das auf dem Collegecampus), und dich fragen von wo du bist und wer du bist und
weshalb du hier bist und blabla. Oder sie fragen die Leute mit denen du dort
bist. Sie sind einfach zu neugierig und da sind natürlich alle die, die nur mit
dir befreundet sein wollen weil du ein Ausländer bist. Lustig nicht? Wir wollen
keine haben und hier wollen sie mehr von ihnen J
(Das war jetzt mehr ein sarkastisch-ironischer Kommentar aber eigentlich ist es
wahr)
Natürlich kamen auch viele Verwandte, mit denen ich mich
schon ziemlich angefreundet habe, wenn man bedenkt dass ich schon 2 Monate hier
bin. Die Verwandtschaft ist hier, oder jeden falls in meiner Familie, sehr
wichtig. Man sieht sich mindestens einmal in der Woche oder so. Und es ist
alles ein bisschen komplizierter, da ich meiner Tante Atya sage und
meine Cousine sagt ihr Maushi. Denn Atya ist die Schwester des
Vaters und da mein Vater zwei Schwestern hat, ist es Maushi für meine
Cousine. Maushi meint die Schwester deiner Mutter. Also muss man immer
aufpassen wer denn jetzt gemeint ist. Also ja meine Atyas kamen und
meinem Cousin seine Frau und Kaku, ihre Schwiegermutter und meinem Vater
Bruder’s Frau, was Kaku meint. Und beide Grossmütter (Aji’s à Atschi ausgesprochen).
Und fast alle haben einen Sari getragen. Irgendwann werde ich auch einen
tragen und ich freue mich schon auf den Tag. Denn es hat irgendetwas an sich 6
Meter Stoff um sich zu wickeln und dabei noch gut auszusehen. Keine Ahnung wie
es funktioniert. Aber naja ich habe einen Punjabi Suit getragen. Der
besteht aus einem Oberteil welches oberhalb der Knie endet und einer
Pluderhose, in die man wahrscheinlich zweimal rein passen würde und die immer
zu lang ist. Und einem Schal der man sich irgendwie über die Schultern
drapiert. Eigentlich ist es hier ziemlich normal „traditionelle“ Kleidung zu
tragen und öfters mal trage ich wenigstens Teile davon (Mit den Pluderhosen
habe ich mich noch nicht so angefreundet). Vor allem wenn ich Tanzunterricht
habe, weil es einfach irgendwie passt. Aber meine Mutter trägt quasi immer Punjabi
suit. Und ich habe schon drei Paar, welche für mich geschneidert wurden à sie passen also super.
Ein Sari werde ich aber sicher an Diwali tragen. Huh ja jetzt da
wir schon in der Welt von Beauty& Fashion sind kann ich euch ja mal
erzählen wie hier die Augenbrauen gezupft werden. Eine andere Person nimmt
einen Faden und hat irgend so ein System wie sie ihn richtig hält und es ist
viel schneller als wir und unsere Pinzetten. Und deshalb habe ich jetzt auch
schön gemachte Augenbrauen, vergesst nicht, meine Mutter besitzt einen
Schönheitssalon.
Das wohl interessanteste an Gestern war aber der Morgen.
Meine Familie war der Meinung ich müsse nicht in die Schule gehen. Denn hier
ist es normal zu „schwänzen“ und ich bin fast immer in der Schule gewesen. Also
sagten sie wieder mal, geh einfach nicht in die Schule. Ja meine Eltern schlagen
mir das vor. Haha stellt euch vor wenn die Eltern sagen „Ach, geh morgen nicht
in die Schule es passiert ja sowieso nichts Wichtiges.“ Naja also ging ich
nicht in die Schule aber ich musste dann trotzdem um die normale Zeit ( 5.30)
aufstehen, da wir einen speziellen Markt besuchen gingen, der nur von 4.30 bis
7.30 geöffnet ist und zwar einen Blumenmarkt. Der findet jeden Tag statt und er
ist nur am Morgen, weil die Farmer ja zuerst in die Stadt kommen und dann
wieder nachhause gehen müssen. Ihr habt wahrscheinlich noch nie so viele Blüten
an einem Ort gesehen. Leider habe ich keine guten Fotos gemacht, aber es war
wirklich eindrücklich. Eine gelbe und eine Orange Blume konnte man wirklich
quasi überall kaufen und es ist auch die normalere, billige Blumensorte. Wir
kauften einen ganzen Sack von denen und dann noch ein paar Rosenblätter und
weisse Blüten. Also ein mit einem Sack konnten wir das ganze Parkingareal
schmücken, weil am Abend ja das Programm war. Als wir nach Hause kamen, haben
zwei Nachbarinnen und ich damit angefangen, die Blumen( also nur die Orangen)
aufzufädeln und Blumenketten zu machen, in verschiedenen Längen die dann
aufgehängt wurden. Wir hatten etwa 2 Stunden also könnt ihr euch ja die Menge
an Blumen vorstellen. Die Rosenblätter wurden allerdings gebraucht um den Altar
zu schmücken und die weissen Blüten wurden auch aufgefädelt und ins Haar
gesteckt. Es ist ganz schön, und vor allem wird man vom Duft eingelullt wenn
man so eine Blumengirlande trägt.
Ja also das war wieder einer der untypisch erlebnisreichen
Tage und deshalb wollte ich euch natürlich etwas darüber erzählen. Der normale
Alltag ist leider todlangweilig, weil die Inder es lieben, den ganzen Tag TV zu
schauen, zu lesen, zu essen und zu schlafen, wenn sie nicht arbeiten. Was meint
nichts zu machen und da ich nur am Morgen Schule habe ist das etwa mein Tag
nach 12. Bis ich dann abends Marathi oder Tanz klasse habe. Kannst du denn
nicht einfach etwas machen? Fragt ihr euch wahrscheinlich, doch die Antwort ist
nein. Denn ich darf nicht mit öffentlichen Verkehrsmittel reisen, geschweige
denn draussen herum laufen. Also kreist alles in meinem Leben um eine kleine
Drei-Zimmer Wohnung im äusseren Teil von einer Kleinstadt in mitten von Indien.
Doch so schlimm ist es ja auch nicht, nur manchmal frage ich mich schon weshalb
ich nichts tun kann. Nicht einmal einkaufen oder mich mit Freunden treffen,
ausser meine Eltern kennen sie und blabla.
Habt ihr schon mal von der Indischen Pünktlichkeit gehört?
Nein? Nun sie existiert nicht. Wenn jemand sagt, ja ich bin in fünf Minuten da,
kann das alles zwischen 2Minuten und 1 Stunde meinen nur NICHT fünf
Minuten. Was dann manchmal schon blöd ist vor allem wenn man mit jemandem
abgemacht hat. Wie letzten Sonntag als wir Kuchen essen gehen wollten, und der
liebe privat Rikshafahrer einen Notfall hatte und wir nur eine Stunde zu spät
und am falschen Ort abgeladen wurden. Aber ich lerne geduldig zu werden was gut
ist. J
Morgen wird auch ein ganz spannender Tag und ich freue mich schon darauf, denn wir werden Blumen und Ganeshstatuen sammeln und somit die Umwelt rettenJ
| Blumenmarkt, und das ist nur ein kleiner Stand |
| Ganeshstatue, verziert mit Blumen und allem |
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| Rangoli-Ich habe mitgeholfen, aber sie haben es dann so schön gemacht dass meine unbeholfenen Blüemli gar nicht mehr auffallen |
| Meine liebe Familie |

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