Sonntag, 7. September 2014

Ganpati papa muria

Sicher habt ihr schon mal von den Indern und ihren Festivals gehört. Nun letzte Woche hat die Festival Season begonnen. 10 Tage lang wurde am Abend und am Morgen zu Ganesh, dem Gott mit dem Elephantenkopf und den vielen Händen auch bekannt als der Gott der Weisheit und Klugheit, gebetet. Sie opferten ihm Früchte und Süssigkeiten, die sie natürlich selbst assen, er hat sie halt auf eine Art geheiligt. Es war ganz interessant all das zu sehen und mitzuerleben, allerdings fühlte ich mich manchmal auch ein bisschen unwohl, vor allem wenn sie wollten, dass ich das Arti übernehme. Das Arti ist eine Art der Anbetung, man hat ein Teller mit einem Öllicht in der Hand und macht die ganze Zeit so Kreise etc. Aller anderen Singen und Klatschen. Aber es gab auch andere Dinge die man tut, so verziert man den Boden vor dem „Altar“ mit Rangoli, einer wirklich coolen Art von Reispulver Verzierung. Ich durfte ihnen helfen, eines zu machen, und auch wenn man ganz genau sah welcher Part von mir war, war es wirklich schön. Alle zwei Tage haben sie ein neues gemacht, mit viel Kreativität und Ideen.
Gestern haben wir dann ein bisschen anders gefeiert, meint wir haben eine Coucousine( naja immer noch schwester genannt) eingeladen so eine Art von Programm zu machen mit Gesang und einer Rede, von der man etwas lernen sollte. Naja ich muss sagen sie hatte eine sehr schöne Stimme, leider habe ich quasi nichts verstanden. Aber da meine liebe Marathilehrerin, welche mehr eine gute Freundin ist, da wir oft nur über alle möglichen Dinge reden und sie nur 1 Jahr älter ist, neben mir gesessen ist, hat sie mir am Schluss eine kleine Zusammenfassung gegeben. Es ging darum das man ein glückliches Leben hat, wenn man in jemandes Gebeten und in jemandes Gedanken ist. Da das meistens die Eltern betrifft sollte man sich glücklich schätzen, Eltern zu haben und sie respektieren.
Und da viele Leute kamen um zu zuhören, die meisten von ihnen kannte ich ein bisschen und sie waren alle sehr glücklich mich zu sehen und ein kleines Mädchen wollte ein Autogramm von mir, was dann doch ein bisschen komisch war, denn ich bin ja nicht wirklich anders, ich verstehe nur ihre Sprache nicht wirklich und bin WEISS. Das nervt schon manchmal wenn jeder dich als etwas anderes betrachtet weil du eine andere Hautfarbe hast. Es gibt Menschen, die einfach auf dich zu kommen, wenn du irgendwo bist (meistens passiert das auf dem Collegecampus), und dich fragen von wo du bist und wer du bist und weshalb du hier bist und blabla. Oder sie fragen die Leute mit denen du dort bist. Sie sind einfach zu neugierig und da sind natürlich alle die, die nur mit dir befreundet sein wollen weil du ein Ausländer bist. Lustig nicht? Wir wollen keine haben und hier wollen sie mehr von ihnen J (Das war jetzt mehr ein sarkastisch-ironischer Kommentar aber eigentlich ist es wahr)
Natürlich kamen auch viele Verwandte, mit denen ich mich schon ziemlich angefreundet habe, wenn man bedenkt dass ich schon 2 Monate hier bin. Die Verwandtschaft ist hier, oder jeden falls in meiner Familie, sehr wichtig. Man sieht sich mindestens einmal in der Woche oder so. Und es ist alles ein bisschen komplizierter, da ich meiner Tante Atya sage und meine Cousine sagt ihr Maushi. Denn Atya ist die Schwester des Vaters und da mein Vater zwei Schwestern hat, ist es Maushi für meine Cousine. Maushi meint die Schwester deiner Mutter. Also muss man immer aufpassen wer denn jetzt gemeint ist. Also ja meine Atyas kamen und meinem Cousin seine Frau und Kaku, ihre Schwiegermutter und meinem Vater Bruder’s Frau, was Kaku meint. Und beide Grossmütter (Aji’s à Atschi ausgesprochen). Und fast alle haben einen Sari getragen. Irgendwann werde ich auch einen tragen und ich freue mich schon auf den Tag. Denn es hat irgendetwas an sich 6 Meter Stoff um sich zu wickeln und dabei noch gut auszusehen. Keine Ahnung wie es funktioniert. Aber naja ich habe einen Punjabi Suit getragen. Der besteht aus einem Oberteil welches oberhalb der Knie endet und einer Pluderhose, in die man wahrscheinlich zweimal rein passen würde und die immer zu lang ist. Und einem Schal der man sich irgendwie über die Schultern drapiert. Eigentlich ist es hier ziemlich normal „traditionelle“ Kleidung zu tragen und öfters mal trage ich wenigstens Teile davon (Mit den Pluderhosen habe ich mich noch nicht so angefreundet). Vor allem wenn ich Tanzunterricht habe, weil es einfach irgendwie passt. Aber meine Mutter trägt quasi immer Punjabi suit. Und ich habe schon drei Paar, welche für mich geschneidert wurden à sie passen also super. Ein Sari werde ich aber sicher an Diwali tragen. Huh ja jetzt da wir schon in der Welt von Beauty& Fashion sind kann ich euch ja mal erzählen wie hier die Augenbrauen gezupft werden. Eine andere Person nimmt einen Faden und hat irgend so ein System wie sie ihn richtig hält und es ist viel schneller als wir und unsere Pinzetten. Und deshalb habe ich jetzt auch schön gemachte Augenbrauen, vergesst nicht, meine Mutter besitzt einen Schönheitssalon.
Das wohl interessanteste an Gestern war aber der Morgen. Meine Familie war der Meinung ich müsse nicht in die Schule gehen. Denn hier ist es normal zu „schwänzen“ und ich bin fast immer in der Schule gewesen. Also sagten sie wieder mal, geh einfach nicht in die Schule. Ja meine Eltern schlagen mir das vor. Haha stellt euch vor wenn die Eltern sagen „Ach, geh morgen nicht in die Schule es passiert ja sowieso nichts Wichtiges.“ Naja also ging ich nicht in die Schule aber ich musste dann trotzdem um die normale Zeit ( 5.30) aufstehen, da wir einen speziellen Markt besuchen gingen, der nur von 4.30 bis 7.30 geöffnet ist und zwar einen Blumenmarkt. Der findet jeden Tag statt und er ist nur am Morgen, weil die Farmer ja zuerst in die Stadt kommen und dann wieder nachhause gehen müssen. Ihr habt wahrscheinlich noch nie so viele Blüten an einem Ort gesehen. Leider habe ich keine guten Fotos gemacht, aber es war wirklich eindrücklich. Eine gelbe und eine Orange Blume konnte man wirklich quasi überall kaufen und es ist auch die normalere, billige Blumensorte. Wir kauften einen ganzen Sack von denen und dann noch ein paar Rosenblätter und weisse Blüten. Also ein mit einem Sack konnten wir das ganze Parkingareal schmücken, weil am Abend ja das Programm war. Als wir nach Hause kamen, haben zwei Nachbarinnen und ich damit angefangen, die Blumen( also nur die Orangen) aufzufädeln und Blumenketten zu machen, in verschiedenen Längen die dann aufgehängt wurden. Wir hatten etwa 2 Stunden also könnt ihr euch ja die Menge an Blumen vorstellen. Die Rosenblätter wurden allerdings gebraucht um den Altar zu schmücken und die weissen Blüten wurden auch aufgefädelt und ins Haar gesteckt. Es ist ganz schön, und vor allem wird man vom Duft eingelullt wenn man so eine Blumengirlande trägt.
Ja also das war wieder einer der untypisch erlebnisreichen Tage und deshalb wollte ich euch natürlich etwas darüber erzählen. Der normale Alltag ist leider todlangweilig, weil die Inder es lieben, den ganzen Tag TV zu schauen, zu lesen, zu essen und zu schlafen, wenn sie nicht arbeiten. Was meint nichts zu machen und da ich nur am Morgen Schule habe ist das etwa mein Tag nach 12. Bis ich dann abends Marathi oder Tanz klasse habe. Kannst du denn nicht einfach etwas machen? Fragt ihr euch wahrscheinlich, doch die Antwort ist nein. Denn ich darf nicht mit öffentlichen Verkehrsmittel reisen, geschweige denn draussen herum laufen. Also kreist alles in meinem Leben um eine kleine Drei-Zimmer Wohnung im äusseren Teil von einer Kleinstadt in mitten von Indien. Doch so schlimm ist es ja auch nicht, nur manchmal frage ich mich schon weshalb ich nichts tun kann. Nicht einmal einkaufen oder mich mit Freunden treffen, ausser meine Eltern kennen sie und blabla.

Habt ihr schon mal von der Indischen Pünktlichkeit gehört? Nein? Nun sie existiert nicht. Wenn jemand sagt, ja ich bin in fünf Minuten da, kann das alles zwischen 2Minuten und 1 Stunde meinen nur NICHT fünf Minuten. Was dann manchmal schon blöd ist vor allem wenn man mit jemandem abgemacht hat. Wie letzten Sonntag als wir Kuchen essen gehen wollten, und der liebe privat Rikshafahrer einen Notfall hatte und wir nur eine Stunde zu spät und am falschen Ort abgeladen wurden. Aber ich lerne geduldig zu werden was gut ist. J Morgen wird auch ein ganz spannender Tag und ich freue mich schon darauf, denn wir werden Blumen und Ganeshstatuen sammeln und somit die Umwelt rettenJ
Blumenmarkt, und das ist nur ein kleiner Stand

Ganeshstatue, verziert mit Blumen und allem

Rangoli-Ich habe mitgeholfen, aber sie haben es dann
 so schön gemacht dass meine unbeholfenen Blüemli gar nicht mehr auffallen

Meine liebe Familie
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